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Dein Baby schläft nicht durch, was tun?

In diesem Beitrag erkläre ich dir zunächst etwas über die Entwicklung deines Babys und einige Hintergründe zum besseren Verständnis und im Anschluss gebe ich dir Tipps, damit dein Baby besser einschlafen kann.

Ich schwanke zwischen dem Gedanken, dass es schade ist, dass wir heute keinen so großen Familienverbund mehr haben und dem Gedanken, dass dies auch Vorteile hat.

Die Zeit ist nicht stehen geblieben. Etwas was früher in Sachen Kindererziehung als richtig erachtet wurde, ist heute völlig überholt. Heute wissen wir, dass wenn wir unsere Babys schreien lassen, dies negative Auswirkungen auf die Biochemie des Gehirns des Säuglings hat. Die Babys hören zwar schon irgendwann auf zu schreien, aber die Folgen können erheblich sein. Die Säuglinge verfallen in eine sogenannte Schutzstarre, die Auswirkungen auf das Urvertrauen haben kann.

Ich will dir dabei keine Angst machen. Du musst nicht gleich zu deinem Baby hinrennen, wenn es nur einen Laut von sich gibt, aber ein Baby sich in den Schlaf weinen zu lassen ist nach heutigen Erkenntnissen nicht von Vorteil.

Ein ganz wichtiger Faktor sind auch deine Erwartungen. Was erwartest du von deinem Baby? Aus irgendwelchen seltsamen Gründen sind wir hier in Deutschland davon überzeugt, dass Babys innerhalb kürzester Zeit durchschlafen müssen. Sie sollen funktionieren.

Dein Baby schläft nicht und du bist nun auf der Suche nach Rat bzw. Tipps

Was versteht man unter Durchschlafen und was ist bitte schön normal?

Laut Informationen von Schlafforschern schläft nur die Hälfte der 3 Monate alten Babys überhaupt durch. Der Begriff „Durchschlafen“ ist für dein Verständnis auch ganz wichtig. Erst wenn ein Baby von 24:00 Uhr bis 5 Uhr ruhig ist, spricht man von Durchschlafen. Jedoch wachen 86 % der Babys trotzdem 2–3 Mal in der Nacht auf.

Wenn dein Kind in den ersten 3 Jahren durchschläft, ist dies eher eine Ausnahme. Lass dich nicht von deinem Umfeld unter Druck setzen und bleib bei der Frage einfach ruhig und gelassen. Ihr habt hier keinen Wettbewerb zu gewinnen.

Kinder und Babys sind so unterschiedlich. Das eine Kind ist total „pflegeleicht“, das andere fordert vehement Aufmerksamkeit und will einfach nicht schlafen. Das hat aber nichts mit dir zu tun, sondern so ist das Naturell deines Kindes eben. Eltern, die keine Probleme haben, sind die Ausnahme.

Wir Eltern haben häufig das Gefühl irgendwelche Anforderungen erfüllen zu müssen. Die Gesellschaft bzw. Freunde und Familie üben häufig auch noch unbewusst Druck aus. Geh deinen eigenen Weg und lass dich nicht von den Erwartungen anderer beeinflussen.

Wichtig ist nur eins: Dein Baby braucht dich und du bist für es da, egal was andere sagen.

Hintergrundinformationen und Gedankenanstöße.

Jeder Säugling ist ein ganz individuelles Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen und Anlagen. Es gibt keine Norm für das Durchschlafen eines Babys. Wenn der eine Säugling einer Freundin schon kurz nach der Geburt 4 – 6 Stunden schläft, mag das durchaus ein Glücksfall sein, aber das heißt nicht, dass es bei euch so sein sollte. Mit deinem Baby ist trotzdem alles okay.

Warum wachen Babys in der Nacht auf? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Es kann sein, dass dein Baby Hunger hat, die Windel voll ist, Blähungen hat, einfach ein Schreikind ist oder es sucht einfach nur Nähe.

Es ist gerade für einen Säugling von großer Wichtigkeit, dass er die Nähe seiner Mutter spürt. Nähe bedeutet Schutz und Geborgenheit. Es war 9 Monate in deinem Bauch und soll jetzt auf einen Schlag schon selbständig schlafen? Die Nähe stärkt das Urvertrauen und wirkt sich förderlich auf die Entwicklung des Gehirns aus. Gerade in den ersten Lebensjahren bilden sich ganz viele neuronale Verknüpfungen. Das Gehirn deines Babys ist gerade ein Viertel so groß wie dein Gehirn. Nach zwei Jahren hat es bereits 75 % erreicht. Diese Entwicklungsjahre sind entscheidend für das spätere Leben deines Kindes.

Entwicklungsgeschichtlich gibt es hierzu natürlich auch einen Hintergrund. Babys sind auf die Nähe ihrer Mutter angewiesen, da dies Schutz bedeutet. In unserer heutigen Zeit müssen die Säuglinge selten vor Raubtieren geschützt werden. Dieses Schutzbedürfnis ist aber noch in uns veranlagt und die Kinder verhalten sich dementsprechend.

Warum könnte dein Baby nicht schlafen?

Dein Baby hat in der Nacht Hunger oder Durst

Wann genau dein Baby nachts ohne Essen auskommt, ist auch hier ganz individuell. Dein Kind benötigt in den ersten Lebensjahren im Verhältnis zu seinem Körpergewicht viermal so viele Kalorien wie du selbst. Je nach Wachstumsschub kann sich das sogar noch erhöhen. Es ist schwierig zu sagen, ob dein Kind ab einem gewissen Alter länger schlafen sollte. Dein Kind benötigt nachts Nahrung, entweder weil es wächst oder eben Hunger hat. Du solltest ihm diese Nahrung nicht verweigern.

Ein wichtiger Einfluss auf dieses Bedürfnis hat auch die zugeführte Nahrung. Wenn dein Baby Beikost erhält, dann sei dir dessen bewusst, dass Beikost weniger Kalorien enthält und somit auch nicht solange anhält. Es gibt auch einen Unterschied zwischen Flaschenkindern und Kindern die gestillt werden.

Auch gibt es eine wissenschaftliche Studie, die das Schlafverhalten von Mütter zusammen mit ihren Babys in einem Schlaflabor untersucht haben. Interessant ist dabei, dass während des Schlafens sich Baby und Mutter aufeinander abstimmen. Die Mütter lagerten ihr Babys während des Schlafens manchmal um, ohne dabei richtig aufzuwachen. Interessant ist auch, dass das Nahrungsbedürfnis des Babys sich auch nach der Schlafphase der Mutter ausgerichtet hat. Die Babys wollten meistens nur gefüttert werden, wenn die Mutter aus der Tiefschlafphase in eine Leichtschlafphase gewechselt hat.

Tipp: Wenn du stillst, ist das Füttern in der Nacht kein Problem. Ist dein Kind jedoch ein Flaschenkind, dann solltest du dich vorbereiten. Ein paar Stunden vor dem Schlafengehen kochst du dir Wasser ab und füllst es in eine Thermoskanne. Die Babynahrung kommt in einen Portionierer. Die Flaschen sollten auch schon abgekocht und sterilisiert sein. Dafür nimmst du am Besten einen Sterilisator. Flaschen, Thermoskanne und Portionierer stellst du dir griffbereit zur Seite, sodass du in relativ kurzer Zeit die Babynahrung zubereiten kannst. Je nach Qualität deiner Thermoskanne müsste die Wärme noch nach ein paar Stunden ausreichend sein. Ist das Wasser noch zu heiß, dann solltest du dir noch eine zweite Kanne zulegen mit kaltem sterilisierten Wasser, zum Herunterkühlen. Je weniger Zeit du benötigst, um dein hungriges Kind zu füttern, desto besser für das anschließende Weiterschlafen. Dein Baby wird dann nicht zu wach und aufgeregt.

Fazit: Lass dich nicht verunsichern von irgendwelchen Zahlen oder Angaben, ab wann dein Kind durchschlafen sollte. Dies hängt ganz und gar von dem Kalorienbedarf deines Babys ab.

Dein Baby benötigt Nähe

Wie ich oben schon beschrieben habe, ist gerade Nähe ein absolutes Grundbedürfnis. Es gab einmal eine Zeit, da war es peinlich zu sagen, dass das Kind mit im Ehebett schläft. Zwischenzeitlich werden die Familienbetten immer moderner. Durch die Beistellbetten für Babys (eine Seite offen) wurde es wieder gesellschaftlich anerkannt, das Kind im Elternschlafzimmer schlafen zu lassen. Ob das Baby dann wirklich im Beistellbett schläft ist noch eine andere Sache 😉 Viele Eltern sind dazu übergegangen das Baby bei sich im Bett schlafen zu lassen. Ausnahme hierbei sind Wasserbetten.

Hier ist es ratsam, dass das Kind im eigenen Schlafsack, ohne die Decke der Eltern, schläft. Schläft das Kind auf der Bettaußenseite, solltest du dir auf jeden Fall einen Rausfallschutz besorgen. Nestchen sind mit Vorsicht zu genießen, da hier die Luftzirkulation beeinträchtigt sein könnte.

Es gibt einige Untersuchungen, die sich mit dem Schlafverhalten von Eltern und Kind beschäftigt haben. Es wurden Eltern befragt, die ihr Kind in einem eigenen Bett und Eltern, die ihr Kind im Elternbett schlafen ließen. Das Ergebnis war, dass Eltern die extra aufstehen mussten, um den Säugling zu versorgen, das Gefühl hatten, häufiger aufgestanden zu sein, als Eltern deren Kind im Bett lag.

Babys wachen manchmal auf und wollen sich rückversichern, dass ihre Bezugsperson noch da ist. Ist dem so, dann schlafen sie auch weiter. Auch ist das Aufstehen aus dem eigenen Bett aufwendiger und die Eltern werden wacher, als wenn sie im Bett nur kurz nach dem Baby schauen müssen.

Tipp: Besorgt Euch einen Rausfallschutz für Euer Bett oder ein Beistellbett. Ein Kuscheltier kann im Laufe der Zeit auch für Nähe sorgen. In den ersten Monaten natürlich nicht, aber je älter das Kind wird, desto mehr nimmt es das Kuscheltier als Ersatz für eine kurze Spanne an. Mama muss dann schon irgendwann kommen und für Nähe sorgen, aber in der Zwischenzeit kann das Kuscheltier oder Kuscheltuch für eine Puffer sorgen.

Fazit: Babys die in einem Familienbett bzw. Ehebett schlafen, sind ruhiger und das Baby schläft eher durch, als in einem eigenen Bett.

Dein Baby muss gewickelt werden

Dein Baby ist nachts unruhig und hat die Windeln voll. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es eine kleine Regel gibt. Je wacher dein Baby wird, desto schlechter schläft es im Anschluss ein. Ich habe bei meinen Kindern, diesen Grundsatz immer beherzigt.

Tipp: Hab alles Notwendige direkt griffbereit. Ich habe auch im Bett gewickelt. Dafür gibt es extra wasserdichte Unterlagen und Feuchttücher (sensitive verwenden).

Fazit: Achte darauf, dass dein Baby nicht zu wach wird. Zu viel kühle frische Luft am Hintern ist auch belebend, also es sollte schön kuschelig und warm sein.

Dein Baby wurde von dir ins Bett gelegt und wacht gleich wieder auf

Jetzt hast du dein Baby ewig durch die Wohnung getragen, es schläft endlich und kaum liegt es im Bett, ist das Geschrei groß.

Dazu solltest du folgendes wissen: Babys haben einen ganz anderen Schlafrhythmus als Erwachsene. Der Schlafzyklus von Babys dauert so ca. 50 – 70 Minuten. Die Tiefschlafphase tritt bei Säuglingen erst nach ca. 20 Minuten ein. Sie gleiten nicht gleich vom Wachzustand in die Tiefschlafphase, sondern sie sind vorher in einer Art Dämmerzustand. Erst in der Tiefschlafphase wird ihr Körper schlaff und die Glieder baumeln herunter. In dieser Phase ist es erst möglich dein Baby hinzulegen, ohne dass es gleich wieder aufschreckt.

Fazit: Achte darauf, wann dein Kind eingeschlafen ist und beobachte den Körper deines Babys. Hängen die Glieder schwer und schlaff herunter. Bewegen sich die Augen hinter den Lidern noch hin und her? Erst wenn auch die Augen ruhig ruhen, kann dein Kind abgelegt werden.

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Das Nickerchen am Tag – es ist zu leise

Nach ca. 3 Monaten beginnt dein Baby sein Schlafverhalten zu ändern. Es kann jetzt bereits etwas Tag und Nacht unterscheiden.

Hier solltest du auf keinen Fall mit Zehenspitzen durch deine Wohnung laufen. Ein leichter Geräuschpegel ist am Tage völlig normal. Auch verdunkele nicht komplett alle Fenster. Etwas Dämmerlicht oder sogar volles Tageslicht hilft bei der Unterscheidung von Tag und Nacht.

Warum sollte es nicht zu leise sein? Dein Kind kann während des Schlafens kurz aufwachen und wenn es dann keine Rückversicherung hat, das die Bezugsperson (Mama, Papa) nicht in der Nähe ist, kann es unruhig werden und schreien. Ob dein Baby dann noch schlafen will, sei einmal infrage gestellt.

Fazit: Gedämpfte Geräusche sind tagsüber sogar von Vorteil. Sie helfen dem Baby dabei, sich kurz rückzuversichern und wieder einzuschlafen.

Der Tagesablauf passt nicht

Dein Kind entwickelt im Laufe der Zeit durchaus auch seinen eigenen Rhythmus, der sich deinem anpassen könnte. Ich formuliere dies extra vorsichtig, da ich weiß, dass Wünsche nicht immer in Erfüllung gehen. Das bedeutet, dass deinem Kind zwar ein geregelter Tagesablauf gut tut, aber es hat auch seine eigene innere Uhr. Wenn dein Kind gerade einen Wachstumsschub hat oder es sich unwohl fühlt, dann passt der tägliche Ablauf nicht mehr und das Kind schläft schlecht ein.

Dein Kind wird auch erst schlafen, wenn es müde ist. Selbst wenn du deinen Tag und auch die Schlafenszeiten genau planst, wird dein Kind nicht auf Knopfdruck schlafen.

Tipp: Wie mache ich mein Kind müde? Dein Baby entwickelt einen besseren Tag-und-Nacht-Rhythmus, wenn du es bei deinen täglichen Aktivitäten mitnimmst. Es richtet sich dann auch nach deinem Rhythmus aus. Kinder schlafen besser, wenn sie an der frischen Luft waren. Gerade das Nachmittagslicht scheint hier einen großen Einfluss zu haben.

Fazit: Erwarte nicht zu viel von deinem Kind. Ihr werdet im Laufe der Zeit zu einem Rhythmus finden, der aber gelegentlich gestört werden kann. Gehe mit deinem Kind viel an die frische Luft und beschäftige es so, dass es am Ende des Tages müde ist.

Dein Baby schläft nicht, weil es sich körperlich unwohl fühlt

Es könnte auch sein, dass etwas körperlich nicht stimmt. Dein Baby könnte Bauchschmerzen haben, Blähungen, bereits zahnen, der Po ist wund oder anderes. Kontrolliere zunächst alle offensichtlichen Aspekte: Ist der Po wund, dann bringe eine lindernde Salbe auf, frische Luft am Allerwertesten ist in diesem Fall auch von Vorteil. Hat dein Baby dauerhafte Blähungen solltest du beim Arzt abklären lassen, ob eine Allergie besteht. Auch könnte es an der Babynahrung liegen, besteht vielleicht eine Unverträglichkeit? Ein altbewährtes Mittel gegen Dreimonatskoliken ist Windpulver.

Fazit: Sollte die Schlafstörung wegen Blähungen länger andauern, den Arzt kontaktieren. Dreimonatskoliken kommen häufig bei Babys vor, es könnte aber auch eine Unverträglichkeit sein.

Es schläft tagsüber zu viel – kann das sein?

Babys schlafen, wenn sie müde sind. Lässt man sie nicht schlafen, werden sie quengelig. Wenn dein Baby tagsüber viel schläft und du unterbrichst den Mittagsschlaf, kann es dir passieren, dass du den ganzen Tag mit einem gestressten Baby kämpfen musst. Vor lauter Übermüdung verpasst es dann die nächste Schlafensphase und du hast auch ein nicht gerade gut gelauntes Kind in der Nacht.

Fazit: Lass dein Kind schlafen, wenn es müde ist. Wenn du es herauszögerst durch Spielangebote, dann kann es passieren, dass es die nächste Schlafphase versäumt und gar nicht mehr schläft. Dann bist du auch weniger gelassen und entspannt. Ausnahme: Wenn du merkst, dass dein Baby während des Mittagsschlafes nach einer gewissen Schlafenszeit unruhig wird, dann kannst du es aufwecken.

Sonstige Gründe – dein Baby schläft nicht, weil …

Ist dein Baby eher aktiv und temperamentvoll oder ängstlich? Je nach Naturell kann es dir passieren, dass dein Kind seinen eigenen Rhythmus oder ganz eigene Anforderungen hat. Da hilft nur ausprobieren. Vielleicht beruhigt es ja dein Kind, wenn du es mit einem Tuch den ganzen Tag am Körper trägst. Die Bewegung, die Aktivitäten miterleben lässt. Dabei spürt es deine Nähe und du kannst gleich auf seine Bedürfnisse reagieren. Das Schaukeln beruhigt und macht auch schläfrig. Vielleicht will dein Kind auch viel nuckeln. Dann kannst du ihm zur Not einen Schnuller anbieten. Bleib ruhig und gelassen, je hektischer und aufgeregter du wirst, desto mehr überträgt sich das auch auf dein Kind. Es ist wie ein Teufelskreis, es wird dann schlimmer und schlimmer.

Vielleicht ist dein Baby auch ängstlich, weil es vor, während oder nach der Geburt Stress ausgesetzt war. Hier gilt es selbst herauszufinden, was es braucht. Nähe ist auf jeden Fall ein ganz wichtiger Faktor. Probiere es hier am Besten auch mit einem Tragetuch. Die Entwicklung des Urvertrauens ist in den ersten Jahren von großer Bedeutung. Auch wenn dein Baby viel schreit, bleib bei ihm und gib ihm Nähe. Natürlich solltest du bei einem Schreikind den Arzt aufsuchen und sämtliche körperlichen Faktoren ausschließen lassen.

Schlaftraining und andere Programme

Es gibt im Internet viele Ratgeber und viele Bücher mit dem Thema: „Mein Baby schläft nicht durch“. Meine Gedanken hierzu:

Schlaftraining mit kontrolliertem Schreien lassen bzw. kontrolliertes Trösten

Es gibt Schlafprogramme die den Eltern versprechen, dass sie ihr Kind trainieren könnten einzuschlafen. Dazu wird geraten, das Baby 2–3 Minuten schreien zu lassen und dann erst in das Zimmer zu gehen, um es zu trösten. Dabei soll die Bezugsperson das Kind lediglich ansprechen und streicheln, aber nicht hochnehmen. Das Ganze wird dann eine zeit lang trainiert und die Zeiten immer mehr verlängert. Viele Eltern sind ja der Meinung, man solle das Kind von Anfang an nicht verwöhnen. Es ist auch verständlich, wenn man seit vielen Tagen nicht geschlafen hat, dass man einen Ausweg sucht. Jetzt sollte man sich jedoch auch vor Augen führen, was mit dem Baby dabei passiert. Das Kind lernt in dieser Zeit nichts über Konsequenzen, dazu ist es einfach noch zu klein. Es verfällt in eine Schutzstarre weil es merkt, dass seine Beschützer nicht da sind. Dies kann zu späteren Entwicklungsproblemen führen.

Das Baby soll nicht an der Brust einschlafen

Ich lese auch oft, dass das Baby nicht an der Brust einschlafen soll. Wenn es dann wieder aufwachen würde, könne es nicht mit einer veränderten Umgebung umgehen. Dein Baby versichert sich nachts durchaus, ob es noch sicher ist, dies hat aber nichts mit der Brust zu tun, sondern mit deiner Nähe.

Wo man Liebe aussät, da wächst Freude empor!

William Shakespeare

Was kann ich nun tun, damit mein Baby nachts schläft?

  • Nähe
    Nähe ist das Grundbedürfnis eines jeden Babys. Gib deinem Baby tagsüber Nähe und in der Nacht auch. Ich rate zu einem Familienbett (ausgenommen sind Wasserbetten). Kauf dir ein Beistellbett, damit dein Baby deinen Atemrhythmus hören kann. Babys in Familienbett zeigen ein konstanteres Schlafverhalten.

  • Frischluft
    Babys schlafen, wenn sie müde sind. Gehe mit deinem Baby viel an die frische Luft. Beschäftige dich mit ihm und achte darauf, dass du es erst ins Bett legst, wenn es müde ist.

  • Schlafumgebung
    Sorge für eine ruhige Schlafumgebung. Es muss nicht mucksmäuschenstill sein. Aber Lärm ist auch nicht von Vorteil. Das Raumklima ist auch ganz wichtig. Es sollte nicht zu warm und auch nicht zu kalt sein.

  • Essen
    Wenn dein Kind häufig in der Nacht gefüttert werden möchte, sorge für eine schnelle Bereitstellung der Mahlzeit. Für Flaschenkinder bereits alles vorbereiten (abgekochtes Wasser, Pulver im Portionierer, sterilisierte Flaschen und Sauger).
    Sollte dein Baby längere Zeit unter Blähungen leiden, dann lass dies bitte von deinem Arzt untersuchen. Gegen Dreimonatskoliken kann Windpulver helfen. Bei Verstopfungen und Veränderung der Haut am Besten auf Allergien prüfen lassen und auf eine andere Babynahrung umstellen.

    Mit vollem Magen schläft sich gut, aber mit einem zu vollen auch nicht. Achte darauf, wenn du ihm Beikost gibst, dass es nicht der super sättigende Abendbrei ist, der kann den Magen ordentlich beschäftigen und das Kind schläft dann eher schlecht.

  • Kuscheltiere
    Kuscheltiere können kurzfristig eine Bezugsperson ersetzen. Wenn dein Baby aufwacht, hat es zunächst ein Kuscheltier, an dem es sich orientieren kann.

  • Wechselnde Schlaforte
    Wenn du dein Kind in den Schlaf getragen hast und anschließend in sein eigenes Bett legst, kann es dir passieren, dass es wieder aufwacht. Achte darauf, dass es wirklich eingeschlafen ist und auch auf seine Bedürfnisse. Wenn das Ablegen im eigenen Zimmer den Entzug der Nähe bedeutet, kann es zu Geschrei kommen. Vielleicht möchte dein Baby im Familienbett schlafen und nicht alleine.

  • Schlechte Laune
    Dein Kind fühlt sich irgendwie unwohl und du findest einfach nicht den Grund dafür. Das kann durchaus passieren. Vielleicht zwickt irgendwas im Magen. Die Babys können dir ja darauf keine Antwort geben. Ich rate dir, besorge dir ein Tragetuch und trage dein Kind eben am Körper, so hast du die Hände frei und dein Baby spürt die Nähe.

  • Erwartungen
    Wenn du erwartest, dass dein Baby nachts durchschlafen soll, dann solltest du dich davon lösen. Je angespannter du bist, desto mehr bist du auch gestresst. Dies spürt dein Kind und reagiert ebenso. Was spricht dagegen, dein Kind eben mit in den Tagesablauf zu integrieren? Nimm es mit und lass es alles miterleben. Wenn du Fernsehen schauen willst, dann schau mit Kind Fernsehen, was spricht dagegen? Dein Kind nimmt damit in den Babyjahren keinen Schaden. Willst du Sport machen, dann schau dich nach Programmen mit Babys um.
  • Meine persönliche Rettung
    Schreikinder können einem wirklich das Leben zur Hölle machen. Wenn dann auch noch ein älteres Geschwisterkind da ist, kann es passieren, dass die Lösung Nähe auch nicht immer hilft. Meine persönliche Rettung war hier unser „Klick-Klack“* – so hat es meine Tochter getauft, weil es diese regelmäßigen monotonen Geräusche von sich gab. Es ist eine elektrische Schaukel. Wenn ich meiner Tochter etwas kochen wollte und mein Sohn schrie wie am Spieß, dann habe ich ihn in dieser Zeit in die elektrische Schaukel* gesetzt. Ich hatte einfach Angst, dass ich ihn beim Kochen vielleicht verletzen könnte. Kochendes Wasser ist ja nicht zu unterschätzen. Mit dem „Klick-Klack“ ist er dann innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen und ich konnte mich ums Essen und um das Geschwisterkind kümmern.
  • Pucken
    Mit dem Pucken* werden Kinder in ein spezielles Wickeltuch eingewickelt. Ganz wichtig ist! Nicht zu eng pucken, so dass keine Nerven eingeklemmt werden. Manchmal sind die Babys auch so eng gepuckt, dass sie keine Luft zum Schreien haben. Das Pucken soll den Moro-Reflex (unkontrollierte Zuckungen) verhindern. Dadurch soll das Baby weniger aufwachen. Pucken kann hilfreich für das Einschlafen sein, jedoch ist es ganz wichtig, dass du dir die Wickelmethode von einer Hebamme zeigen lässt.
  • Selbst entspannen
    Ja, das ist leicht gesagt, wenn man gerade kein schreiendes Kind auf dem Schoß sitzen hat. Aber du solltest dich in deiner Umgebung umschauen, wer kann dir helfen? Gibt es eine Oma, Opa, Tanten etc. Es gibt in den Städten zwischenzeitlich auch ehrenamtliche Programme, die genau diese Thematik aufgreifen. Ich hatte eine Leihoma und ich bin jetzt noch glücklich und dankbar für ihre damalige Hilfe. Manchmal hilft aber auch ein bezahlter Babysitter. Nimm Hilfe an!

Fazit

Dein Baby schläft nicht durch und schreit aus verschiedenen Gründen. Ein ganz wichtiger Grund könnte fehlende Nähe sein. Gib ihm Nähe und Geborgenheit und versuche dabei selbst zu entspannen. Es ist ganz wichtig, dass du dich nicht den Vorstellungen und Erwartungen anderer unterwirfst. Am besten sagst du niemanden, dass dein Kind nach 3 Stunden wieder wach ist. Andere sind mit ihren Meinungen immer sehr schnell bei der Hand.
Lass dein Kind beim Arzt untersuchen, wenn dann alles okay ist, dann wird sich der Schlafrhythmus deines Babys im Laufe der Zeit schon einstellen.

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