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Achtsamkeit in der Beziehung

Tipps für mehr Achtsamkeit in der Beziehung

Vor Jahren hörte ich im Radio einen Forscher über die Liebe reden. Er nannte sie „Mikro-Paranoia“. Die Verliebten wären so ineinander vernarrt, dass sie schon wahnhafte Züge entwickelten. Darüber lässt sich natürlich streiten, aber diese Beschreibung hat mich zum Nachdenken gebracht.

Die erste Zeit des Verliebtseins erleben wir wie im Rausch. Jede kleine Aufmerksamkeit ist aufregend, jeder Wesenszug des anderen versetzt uns in Verzückung. Schön wäre es, wenn wir es schaffen würden, diese vollständige Aufmerksamkeit auf spätere Jahre zu transferieren. Dem geliebten Menschen immer wieder offen und voller positiver Erwartungen zu begegnen. Wie schnell kommen der Alltag und die Routine, die leider viel zu oft das früher galoppierende Rennpferd namens Liebe als lahmen Ackergaul dastehen lassen.

Was tun, um der Beziehung etwas von der Würze des Anfangs zurückzugeben oder zumindest die Routine abzuschwächen? Die Zauberworte unserer heutigen Zeit sind, bewusstes Sein und Handeln. Achtsamkeit in der Beziehung scheint für viele der Schlüssel zum Erfolg. Ist dem wirklich so?

Zunächst kann ich sagen, Achtsamkeit in der Beziehung hilft. Aber sie kann aus dem bereits lahmen Ackergaul auch kein Rennpferd mehr machen. Sie kann aber eine Beziehung auf eine andere Ebene heben und sie wertvoller und intensiver gestalten. Achtsamkeit verhilft der Beziehung zu mehr Respekt und Offenheit, in dem ich mir der Gefühle des Anderen und meiner Gefühle bewusst bin. Ich bin offen für den jetzigen Moment und schaue mir meinen Partner mit aller Bewusstheit an.



In jedem Anfang ist ein Zauber inne und so auch in der Liebe.

Der häufigste Fehler in einer Beziehung ist, kein Interesse mehr für den anderen zu entwickeln. Wir geben uns keine Mühe mehr, den anderen intensiver kennenzulernen. Leider unterliegen wir selbst unseren eigenen Mustern und Prägungen, die bedingt durch unseren Lebensweg Einzug in unser Denken gefunden haben. Wir denken oft, der andere muss dies und jenes, oder der andere ist so und so und deswegen verhalten wir uns auch dementsprechend. Mit deinen Erwartungen hast du aber nicht das Recht auf Erfüllung. Genauso wenig ist es sinnvoll, dich selbst mit den eigenen Erwartungen unter Druck zu setzen.

Du könntest das einmal für dich selbst hinterfragen. Welche Erwartungen hast du an dich und an deinen Partner? Wenn du dem Anderen zum Beispiel einen Stempel aufdrückst und sagst, dein Partner wäre nun einmal ein aufbrausender Wüterich, dann gehst du automatisch in schwierigen Situationen in Schonhaltung und steckst deine eigenen Bedürfnisse bzw. Meinungen zurück. Nur damit der Wüterich nicht aus ihm herausbricht. Was bedienst du damit? Deine Angst und eine Verstärkung seines Verhaltens. Dieses Beispiel lässt sich auf viele andere Verhaltensweisen des Partners übertragen.

Achtsamkeit hilft dir, deine Beziehungsmuster zu erkennen, dir deiner Gefühle gewahr zu werden und diese in einer neutralen Form dem anderen mitzuteilen. Denn gerade die aufmerksame und neutrale Kommunikation verhilft deiner Beziehung zu mehr Tiefe.

Wer denkt, dass der andere durch mehr Achtsamkeit besser funktionieren sollte, der irrt. Achtsamkeit verhilft zu mehr Verständnis und zum Grenzen setzen. Wenn ihr euch dann aufeinander zubewegt, wäre dies ein großer Gewinn für eure Beziehung. Achtsamkeit ist nicht an Bedingungen gekoppelt und sie stellt auch keine Forderungen.



Hier ein paar konkrete Tipps:

Denke lösungsorientiert und nicht problemorientiert

Wie häufig konzentrieren wir uns nur auf das Problem und auf das Negative. Was hat uns unser Partner schon alles angetan oder er/sie ist nie da. Er/Sie funktioniert nicht, so wie ich es erwarte.

Überlege genau, was dich stört und denke darüber nach, wie du oder ihr gemeinsam das Problem lösen könntet. Wenn du mit deinem Partner darüber redest, dann sprich von deinen Gefühlen und formuliere Sätze mit „Ich fühle, Ich denke … etc.“ Nutze keine Du-Formulierung wie: „Du bist schuld, Du bist nicht da, Du unterstützt mich nicht …“ Dies sind Formulierungen die gleich zu einer Blockade führen können. Bitte deinen Partner über eine Lösung nachzudenken.

Wir sind auf negative Eindrücke bzw. Erlebnisse trainiert. Dies ist ein Verhalten, das uns schon seit Urzeiten geprägt hat. Wenn wir wissen, wo die Gefahr droht sind wir vorbereitet. Aber der große Berglöwe ist hier in Europa jetzt nicht präsent, also könnten wir auch unsere Denkweise ändern. Wir sind der Herr unserer Gedanken und unseres Erlebens.

Fokussiere dich auf positive Dinge. Du sollst dir nichts schön reden, aber wenn du deine Welt schöner gestalten möchtest, dann kannst du dich auch darauf konzentrieren. Das Leben ist nunmal auch eine Sache der Resonanz. Wenn ich Samen eines Glücksbaums säe und diesen wässere, dann kann daraus auch eine schöne Pflanze werden. Dies wäre eine glückliche selbsterfüllende Prophezeiung.

Wenn unsere Achtsamkeit diejenigen einschließt, die wir lieben, blühen sie wie Blumen auf.

Thich Nhat Hanh

Reflektiere dich und ziehe deine Schlüsse

Hinterfrage dich. Wenn ihr euch streitet, dann hinterfrage diesen Streit, worum ging es wirklich und worum ging es dir selbst? Wie waren deine Gefühle und gab es dafür vielleicht ein Glaubensmuster, Erwartungen, eigene Wünsche und Bedürfnisse?

Sei tolerant dem anderen gegenüber

Respektiere deinen Partner und seine eigenen Ansichten und Bedürfnisse und respektiere auch deine eigenen. Du hast das gleiche Recht auf eigene Ansichten, Bedürfnisse und Wünsche, dein Partner aber auch. Versuche nicht den anderen davon abzubringen, sondern sei tolerant. Du kannst nicht den anderen ändern, sondern nur deine Einstellung. Ihr müsst dazu nicht gleicher Meinung sein.

Teile deine Freude und sei positiv

Sag deinem Partner schöne Dinge. Teile ihm/ihr mit, was dich freut.

Nimm den anderen nicht als selbstverständlich hin

Genieße die Zeit, die ihr miteinander verbringt. Erlebe bewusst die Anwesenheit des anderen. Nimm dir Zeit für deine Beziehung. Schau dir deinen Partner in Ruhe an, die Mimik, die Gestik, seine/ihre Art zu sprechen, die Augen, den ganzen Körper. Erfasse alles in dem Raum und auch deine eigenen Gefühle. Sieh sie/ihn dir an, als wenn du sie/ihn jetzt gerade zum ersten mal sehen würdest.

Fazit

Achtsamkeit in der Beziehung bedarf etwas Mühe. Sie kann aber dabei helfen, die Beziehung intensiver und offener zu gestalten. Eine Partnerschaft auf dem Fundament der gemeinsamen Wertschätzung und einer gewachsenen Liebe voller Vertrauen.

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