Schritt 5: Kommunikation

Kommunikation und ihre Fallstricke

Wir kommunizieren jeden Tag mit unseren Mitmenschen. Auch wenn du einen Tag völlig ohne Worte verbringen würdest, kommunizierst du trotzdem. Du kennst sicherlich den Ausdruck:

Dein Schweigen spricht Bände.

Warum ist dem so? Wir kommunizieren mit unserem Gegenüber verbal und nonverbal. Verbal sind die gesprochenen Worte. Nonverbal umfasst die Gestik, Mimik und alle anderen visuellen Zeichen.

Über Kommunikation gibt es zahlreiche Bücher und ich werde jetzt nicht eine ausführliche Abhandlung über die Problematiken zwischenmenschlicher Kommunikation schreiben. Ich versuche in diesem Beitrag das Thema überblickend aufzugreifen und auf die Dinge hinzuweisen, die dir bei deiner Suche nach mehr Gelassenheit und innerer Ruhe helfen können. Eine Übersicht der Seite findest du rechts.hier.

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Sachinformationen:

Hier geben wir unserem Gegenüber Informationen bezüglich eines Sachverhalts. Dies geschieht in einer sachlichen Form. Du informierst darüber, um was es geht.

Selbstoffenbarungsinformation:

Wie das Wort Selbstoffenbarung schon sagt, geben wir etwas Persönliches von uns preis. Wir übermitteln Informationen über unser Befinden und auch einen Teil unserer Persönlichkeit.

Beziehungsinformationen:

Mit dieser Information geben wir dem Gegenüber weitere Angaben, wie wir die zwischenmenschliche Beziehung zu ihm sehen. Es mag sein, dass es eine Information zum Beziehungsstatus ist, oder welche Meinung wir von diesem Menschen haben.

Appellinformation:

Wir fordern unser Gegenüber auf, etwas zu tun (oder zu unterlassen). Der Gesprächspartner soll für eine bestimmte Sache tätig werden oder es erwägen.

Wichtig ist bei der Kommunikation herauszufinden, was dein Gesprächspartner wirklich von dir möchte bzw. was er dir wirklich sagen möchte. Es gibt im Laufe eines Gesprächs auch Störfaktoren, wenn dein Gesprächspartner etwas sagt und im Grunde etwas ganz anderes meint. Hier gilt es herauszufiltern, welche Ebene er benutzt hat und ob diese Ebene auch passend war. Ich kann meinem Mann sagen: „Schatz der Mülleimer ist ziemlich voll.“ Dies wäre eine Sachinformation. Der Mülleimer ist wirklich voll, aber was möchte ich wirklich? Wenn ich klar kommunizieren möchte, dann muss ich meinem Mann sagen: „Schatz der Mülleimer ist voll, sei doch bitte so nett und leere ihn aus“. Dann ist dies eine Sachinformation mit einer Appellinformation. Damit weiß dein Gesprächspartner genau Bescheid.

Zu diesen verbalen Informationen kommen noch die nonverbalen Informationen. Wenn dein Gegenüber dir ins Gesicht lächelt und im Grunde die Situation und auch die Augen eine ganz andere Sprache spricht. Hier gilt es ebenfalls den Informationsgehalt der Situation und des Gesprochenen abzuwägen und die wahre Information herauszufiltern.

Wichtig ist bei der Informationsauswertung auch, dass du selbst darüber nachdenkst, ob du wirklich neutral bist. Ich beschreibe die Auswertung der Informationen immer mit dem Ausdruck: „Durch einen Filter sehen und hören“. Was heißt das? Du bist bedingt durch deine Lebensgeschichte geprägt und erfährst deine Umwelt und damit auch alles Gesagte gefiltert. Die Informationsauswertung geschieht in deinem Gehirn unbewusst automatisch und sie wird mit vorangegangenen Erfahrungen verglichen. Deshalb solltest du trainieren, die Informationen bewusst und sachlich zu verarbeiten.



Wie verbessere ich nun meine Kommunikation und werde dabei gelassener?

Zunächst einmal ist es ganz wichtig, dir selbst Fragen zu stellen:

  • Was will mein Gesprächspartner mir wirklich sagen?
  • Welchen Hintergrund könnten seine Worte haben?
  • Bei hitzigen Vorwürfen hinterfrage in Ruhe, warum der Gesprächspartner sich gerade so aufregt.
  • Welche Ebene wird angesprochen?

Tipp: Höre bewusst zu und nimm auch die nonverbale Kommunikation wahr. Gibt deinem Gegenüber das Gefühl, dass du dich für ihn interessierst und vorurteilsfrei bist. Zeige ihm auch, dass du aufmerksam bist. Nicke der Person zu und schau ihr in die Augen. Wenn nötig, stelle gezielte Nachfragen und bestätige, dass du zuhörst auch mit Lauten wie „mh“ oder „aha“.

Gib deinem Gesprächspartner auch ein Feedback wie: „Aha, habe ich richtig verstanden, dass ihre Mutter gestern im Zoo war“, oder „Interessant, sie waren gestern einkaufen“. Dies sollte möglichst in einem neutralen Ton mit interessierter Mimik geschehen. Wenn du Fragen stellst, dann nur im Bezug auf das Gesagte. Bitte halte dich mit Wertungen und der Übermittlung eigener Informationen zurück. Dein Gegenüber möchte dir Informationen geben, also sei geduldig und warte ab, bis du an der Reihe bist. Erst wenn dein Gesprächspartner dir Fragen stellt, kannst du deine Informationen übermitteln.



Die Ich- und Du-Kommunikation

Du-Botschaften bei Streitgesprächen

Hier kommt es ganz auf den Kontext an. Wenn wir in einem Streitgespräch sind, dann sind Du-Botschaften eher vorwurfsvoll gemeint.

Beispiel:
„Du hörst mir nicht zu!“

Solche Vorwürfe führen nicht zu einer Lösung eines Konfliktes, sondern verschlimmern noch zusätzlich das Gesprächsklima. Auch wenn die Situation noch so belastend ist und du vielleicht auch im Recht bist, wird es dir nichts nützen, wenn am Ende dein Gegenüber eine Mauer aufbaut, die du nicht überwinden kannst. Also nutze immer Ich-Botschaften.

Beispiel:
„Ich fühle mich unverstanden.“

Die Ich-Botschaften führen in diesem Zusammenhang zu mehr Vertrauen und Offenheit. Dein Gesprächspartner ist eher bereit dir zuzuhören und das Abwehrverhalten lässt nach.

Du-Botschaften bei neutralen Gesprächen

Bei neutralen Gesprächen führt das Einbinden von Du anstatt Ich zu mehr Offenheit und Akzeptanz. Der Gesprächspartner wird mit dem Du mehr in das Gespräch eingebunden. So kann eine auf gegenseitige Akzeptanz basierende Kommunikation stattfinden. Rede ich dagegen nur von mir, dann ist dies eher ein Monolog und/oder ein aneinander vorbeireden.

Beispiel:
Zwei Freunde treffen sich und reden über den gestrigen Grillabend:

Du-Formulierung
„Hallo Sebastian, du warst doch gestern bei der Martina. Das Buffet war lecker und die Stimmung war super. Du, das war wirklich ein schöner Abend.“

Ich-Formulierung:
„Hallo Sebastian, ich war gestern auch bei der Martina auf dem Grillabend. Das Buffet war lecker und die Stimmung war super. Ich hatte wirklich einen schönen Abend.“

Bei der Ich-Formulierung, obwohl der andere auch dabei war, wird der Gesprächspartner ausgegrenzt und nicht mit ins Boot der Kommunikation genommen. So kann man auch aneinander vorbeireden. Die Du-Formulierung bietet dem anderen das Gefühl der Akzeptanz. Der Gesprächsverlauf wird bei dieser Form der Kommunikation eher gefördert und hinterlässt einen positiven Eindruck.

Sei die Person, die du bist – sei authentisch

Verallgemeinere keine Aussagen und sprich deine Gefühle aus. Ein Herumgeeiere mit: jemand, einer oder man verzerrt nur deine Informationen. Steh zu dem, was du sagen möchtest. Verallgemeinerungen führen nur zu einer Störung der Kommunikation. Zeig dich wie du bist, denn das ist gut so. Sei selbstbewusst und öffne dich, die Kommunikation kann dadurch nur gewinnen.

Akzeptiere deinen Gesprächspartner

Wie ich oben schon geschrieben habe, schauen wir durch einen Filter der Bewertung. Wir sind geprägt von unserem Lebensweg. Deshalb schätzen wir oft eine Aussage des anderen nach unseren Bewertungen ein. Es könnte aber sein, dass der andere etwas ganz anderes gemeint hat. Da er einen anderen Lebensweg und einen anderen Filter hat, ist deine Einschätzung nicht gleich seiner Einschätzung der Lage. Es gibt sicherlich Dinge, die er als selbstverständlich ansieht und auch voraussetzt, die du aber wiederum nicht wissen kannst.

Auch Erwartungen sind immer so eine Sache. Du erwartest, dass dein Gegenüber Dinge weiß oder erahnen soll, die nur du wissen kannst. Denke daran, dein Ansprechpartner wurde von anderen Erlebnissen geprägt und mit deiner Erwartung hast du nicht das Recht auf Erfüllung derselben.

Tipp: Sei geduldig, hinterfrage unklare Aussagen und merke dir immer:
Der andere hat eine ganz andere Sicht auf die Dinge als du selbst. Behandele ihn mit Toleranz, denn seine Ansichten sind genauso wahr und wichtig wie deine. Zugegeben es ist schwierig zu akzeptieren, dass der andere auch Recht hat. Aber was macht dieses Recht-haben mit dir? Es ist sicherlich ein gutes Gefühl und auch befriedigend. Auf der Strecke bleibt jedoch der andere. Mit dem Beharren auf den eigenen Erwartungen stülpst du dem anderen nur deine Vorstellungen über. Je nachdem, wie viel dir an dieser Person liegt, ist es manchmal passender, wenn beide Recht haben dürfen. Es ist manchmal wie ein kleiner Schatz im Herzen, wenn du weißt, dass es für dich okay ist , wenn der andere sich jetzt gut fühlt, aber du mit deinen Standpunkt auch Recht hast. Schmunzele innerlich, denn der Preis für einen Kampf ist hoch. Ein „Sieg“ hinterlässt nur Verletzte und etwas Gleichmut tut deiner Seele gut.

„Geh mit anderen so um, wie du möchtest, dass sie mit dir umgehen“

Barack Obama

„Du bist schuld!“ - allergieauslösende Formulierungen

In einem Gespräch wird dir eine Formulierung entgegengeworfen wie „Du bist schuld!“, wie ist deine Reaktion? Abwehr?

Ich denke, es dient keinem Gespräch, wenn wir uns mit gegenseitigen Schuldzuweisungen bombardieren. Es ist für dich eher von Vorteil von deinen Gefühlen zu sprechen, damit der andere sich deiner Sache auch annimmt. Du bist dann persönlicher und der andere ist eher bereit sich zu öffnen.

Ein Beispiel:
„Du bist nie für mich da!“

besser:
„Ich fühle mich einsam und vermisse deine Unterstützung“.

Die selbst offenbarende Aussage ist ehrlich und bietet Platz für weitere Kommunikation. Eine Schuldzuweisung kann zu einer Blockade führen, die nicht hilfreich für eine Lösung des Problems ist. Wie die selbst offenbarende Aussage bei dem anderen ankommt liegt nicht in deiner Hand, aber die Ausgangssituation steht schon einmal auf einer besseren Basis, als bei einer Schuldzuweisung.

Egal wie wütend du bist, denke daran, dass du von deinen Erwartungen bzw. Vorstellungen geprägt bist. Der andere kann die Schuld dafür nicht immer übernehmen, denn es sind deine Erwartungen. Du kannst von deinen Gefühlen und Vorstellungen sprechen und mit dieser offenen Art der Kommunikation kann sich eine bessere Ausgangssituation für ein gutes Miteinander bilden.

Tipp: Wie gehst du damit um, wenn dir jemand: „Du bist schuld“, entgegen wirft?

Bleib trotz dieses Vorwurfes ruhig und überlege dir, was dir dein Gegenüber wirklich sagen möchte. Auf welcher Ebene befindet er sich und was könnten die Hintergründe sein. Statt mit Abwehr zu reagieren, könntest du ihm gezielte Fragen stellen. Warum glaubt er, dass du Schuld wärst und was genau meint er damit. So ist eine Basis für eine weitere offene Diskussion geschaffen.

Die selbst erschaffene Wirklichkeit

Stell dir vor, du wärst felsenfest davon überzeugt, dass dein bester Freund dich zur letzten Grillparty absichtlich nicht mitgenommen hat. Du fühlst dich ausgegrenzt. Dein Freund hätte dies zwar mit einer privaten Familienfeier begründet, aber du verdächtigst ihn trotzdem, dich abzulehnen. Deine Gedanken verstricken sich zunehmend und du wirst immer misstrauischer. Deine Gedanken bilden immer mehr eine eigene Realität. Alte negative Kindheitserinnerungen werden wach und du überträgst diese alten Erfahrungen auf die jetzige Situation. Für dich ist nach langem Überlegen klar: dein Freund möchte dich nicht mehr dabei haben.

Ist dem wirklich so? Natürlich ist es immer wichtig, eine Sachlage neutral zu überprüfen und den ganzen Ärger und das Gefühl der Zurückweisung erst einmal nur wahrzunehmen. Wenn du bewusst deine Gefühle wahrnimmst, ist das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Du kannst dich dann anschließend fragen: „Warum fühle ich so?“ und „Warum deute ich diese Situation so?“

Die Beobachterrolle einnehmen

Im Grunde hhaben solche Verletzungen oft mit deinem früheren Leben zu tun. Gehe in solche Situationen immer in die Beobachterrolle. Wie geht das? Du bist verärgert, verletzt, was auch immer. Du nimmst einfach dieses Gefühl als Beobachter neutral wahr. Es ist, als wenn eine dritte Person völlig sachlich bemerkt: „Aha, jetzt fühle ich gerade Ärger.“ Schenke diesem Ärger keine Energie, bemerke es einfach nur. Es ist wichtig, dass du dich nicht in dieses Gefühl hineinsteigerst. Nimm es einfach nur wahr.

Wozu ist das nütze? Wenn du deinem Freund begegnest, beginne kein Streitgespräch und akzeptiere seine Entscheidung. Er hatte seine Gründe und diese haben nichts mit dir zu tun.

Erwartungen und Vorstellungen verhindern ein gelassenes Miteinander.

Aufgaben

Führe bewusste Gespräche. Formuliere deine Sätze in der Ich-Form und verallgemeinere nicht. Verwende keine Schuldzuweisungen.

Höre deinem Gegenüber bewusst zu und versuche ihn ausreden zu lassen. Stelle zu Aussagen deines Gegenüber Fragen, ohne dich selbst ins Spiel zu bringen. Versuche die Du-Form mit einzubinden. Gib im Gespräch auch immer ein neutrales Feedback. Am besten übst du, in dem du Freunde anrufst.

Beobachte bewusst deine Gespräche mit anderen Personen. Welche Ebene wird angesprochen und welche Wörter benutzt. Beobachte die Mimik, Tonfall und die verwendete Gestik.

Plane Gespräche. Übe deine Kommunikationsfähigkeit, indem du dir im Vorfeld schon Gedanken machst welche Ebene und Wortwahl du benutzen wirst und welche Ziele du erreichen möchtest.

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